denkmalpflege
. . . denkmalpflege - kunsthistorische betrachtung
3. Kunsthistorische Betrachtung

Stadt Köln
Konservator - Denkmalbehörde
Auskunft: Herr Dr. Beines

Mutterhaus der Augustinerinnen in der Severinstraße
Alle bisher verfügbaren Informationen ergeben m.E. folgendes:
Der Entwurf zum ersten Bauabschnitt des Mutterhauses stammte von Heinrich Wiethase, einem Neugotiker Kölner Prägung. Bedingt durch seinen beruflichen Werdegang, hatte er enge Kontakte zur Kölner Dombauhütte und seiner wichtigsten Vertreter ( z.B. Dombaumeister Zwirner und Dombaumeister und späteren Diözesanenbaumeister Statz ). Bemerkenswert am Schaffen Wiethases ist übrigens, dass er, selbst evangelischer Konfession, sowohl evangelischer als auch katholischer Sakral- ,Ordens- und Krankenhäuser bauen konnte. Schwierig wurde auch für ihn, als bald nach 1871 der Kulturkampf gegen die katholische Kirche durch Bismarck vom Zaume gebrochen wurde. Als Wiethases mit der Planung für das Mutterhaus der Augustinerinnen begann, befand sich der Kulturkampf auf seinem Höhepunkt. Katholische Bauprojekte wurden im damaligen Preußen verzögert bzw. ganz verhindert. Erst in den späten 80er Jahren normalisierte sich das Verhältnis Staat/kath. Kirche einigermaßen.
Hieraus erklärt sich auch die weite Zeitspanne zwischen Planung und Ausführung des Mutterhauses.
Die Figuren stammen vom Bildhauer Ferdinand Joseph Friederich Custodis, der viele Jahre im Atelier des Dombildhauers Peter Fuchs gearbeitet hatte und auch danach noch offensichtlich engen Kontakt zu Fuchs behielt. Sie sehen dass zumindest stilistisch alles "in einer Familie" blieb.
Ihr Foto zeigt den Zustand des Hauses um 1910. Es spricht einiges dafür, dass damals schon ein zusätzlicher Flügel angefügt war ( offenbar in Anlehnung an die Planung Wiethases, ohne aber von ihm selbst geplant worden zu sein ).
Wie aus meinen früheren Recherchen hervorgeht, lieferte Custodis drei Fassadenskulpturen. Da Maria und Joseph stilistisch völlig mit dem Hl. Augustinus übereinstimmen, müssen es die drei noch bei Ihnen vorhandenen Figuren sein.
Ich halte es für durchaus möglich, dass im laufe der frühen Erweiterungen die Figuren im Fassadenbereich ummontiert worden sind. ein aufschlussreicher Parallelfall wäre die alte ( ebenfalls neugotische ) Hauptpost An den Dominikanern, ebenfalls mit Fassadenfiguren bestückt.

Hinweis
zurück